Als Ignatius von Loyola im Kampf verletzt wurde, verbrachte er die lange Zeit seiner Genesung auf dem Krankenbett. Mangels spannender Literatur war er gezwungen, biblische Texte und Heiligengeschichten zu lesen. Schnell bemerkte er, dass es einen Unterschied zu den Ritterromanen gab: Während die spannenden Geschichten nach einiger Zeit verschwanden und einen faden Nachgeschmack hinterließen, fand er in der Langeweile und im Lesen der Jesusbiografie Trost und Halt. Die Unterscheidung zwischen dem, was einem schadet und dem, was einem Trost bringt, nannte er die „Unterscheidung der Geister“. Diese war Grundlage der Jugendexerzitien 2018 zum Thema „sich entscheiden“.

Für uns angehende Abiturient*innen sind Entscheidungen ein wichtiges, aber zugleich schwieriges Thema. Auf den Jugendexerzitien näherten wir uns dem Entscheiden mit von Ignatius verfassten Übungen und Denkanstößen an. Er setzt in seinen geistlichen Übungen die Besinnung auf sich selbst allem voran, weshalb die Exerzitien mit einer Reflexion über das eigene Leben begannen und wir den Blick auf unser Ich richteten. Dabei spielten Werte, Talente und Träume eine wichtige Rolle. Um sich nicht stören zu lassen, fand die „Grundschulung 2.0“ in durchgängigem Schweigen, dem sogenannten Silentium statt. Das mag erstmal eigenartig klingen, ist aber eine wunderbare Möglichkeit, um dem Alltag zu entfliehen und sich auf sich selbst zu konzentrieren. Und ganz ehrlich – wann schweigt man denn mal eine ganze Woche lang? Ein nächster Schritt war dann die Unterscheidung der Geister, konkret also: Die inneren Wahrnehmungen zu unterscheiden nach dem, was Trost und dem, was keinen Trost bringt. Mit dieser Methode und einigen anderen kleinen Werkzeugen haben wir schließlich unsere eigene „Toolbox“ erstellt, die helfen kann, gute Entscheidungen zu treffen.

All diese Übungen fanden nicht nur in der Einzelbesinnung, sondern auch in regem Austausch in unserer Gruppe statt. Es wurde diskutiert, geteilt und gelacht, so entstand in dieser Woche untereinander großes Vertrauen. Im Andreashaus der Hamburger KSJ in Büsum bot die Nordsee direkt vor der Tür mit viel Sonne an einigen Tagen und tobendem Wind an den anderen eine wunderbare Atmosphäre zum Wattwandern, Malen und Nachdenken. Einen Rahmen in den sechs Tagen boten die gemeinsamen Morgenanfänge, die selbstgekochten Mahlzeiten, die täglichen Schriftbetrachtungen, in denen wir wie Ignatius auf dem Krankenbett zu Bibelgeschichten meditiert haben, und schließlich das gemeinsame Examen, ein betender Tagesrückblick am Abend.

In der ISG waren es die ersten Jugendexerzitien für das erste Semester, in gewisser Hinsicht also ein Experiment – aus Sicht von uns Teilnehmer*innen rückblickend ein voller Erfolg! Denn Entscheidungen trifft jeder täglich viele, doch was hinter so einer – meist rationalen – Entscheidung steht und wie man sie richtig trifft, darüber macht man sich dann doch eher weniger Gedanken. Und vor allem im Hinblick auf das Abitur wird der Alltag immer stressiger und bietet keine Sekunde für Ruhe, was diese Exerzitien für uns zu einer Oase der Stille und Selbstbesinnung gemacht hat.